Aufbau-Erlebnisse

Da waren wir also im Museum für Naturkunde und haben unser Akustisches Diorama in 5 Soundstationen in einem White Cube mit Videowall, Interieur und Zitat-Objekten aufgebaut: Hat alles super funktioniert :-), und lief einwandfrei. Uwe Utecht, unser Kurator für Software, hatte unsere Software um einige sehr kluge Tricks und Kniffe erweitert – vor allem wegen der komische Messwerte erzeugenden Echos in den grauen Kästen (die als Behausungen für unsere Dioramen dienen) -, sodass jetzt einfach mal eben alle möglichen Störungen quasi weg-gerechnet werden und absolut stabil eine Person vor dem Diorama erkannt wird und das Hörstück abspielt. Egal, was wo echot.
Und während wir also beglückt und vergnügt aufbauen, bemerken wir auch das große Besucher-Interesse an unseren Akustischen Dioramen, was uns noch mehr gefreut hat.
Doch leider nicht nur im positiven Sinne, denn dann kam der Schock: Während dieser höchstens anderthalb Stunden hat jemand mit einem spitzen Gegenstand die Sensoren an den Akustischen Dioramen 1 und 2 zerstört – was übrigens Kraft und Willen erfordert und nicht so nebenbei passieren kann. Wir hatten uns schon auf möglichen Vandalismus eingestellt, aber dass das so schnell und so gezielt passiert ist … Erschütternd.
Jetzt haben wir alles auf automatischen Betrieb umstellen müssen und die fünf Soundstationen starten alle sieben Minuten – laufen also ungefähr jeweils immer fünf Minuten, machen zwei Minuten Pause, laufen wieder.
Offenbar kann man Kunst in bestimmten Umgebungen nur geschützt und hinter Glas zeigen. Oder eben in Räumen mit anderen Besuchern. Schade.
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Hören – 3

Das Hören geht weiter – ohne Bild 🙂
Jedes Akustische Diorama dauert ungefähr 5 Minuten. Und: Ja, es ist so gedacht, dass man mit dem ersten anfängt, und sich dann das zweite, das dritte, das vierte und das fünfte Stück anhört.
Auch wir haben es in dieser Reihenfolge veröffentlicht, d.h. zur Soundstation Nummer 1 muss man einfach ein bisschen weiter im Blog herunter scrollen.

Hier kommt jetzt Nummer 3: „Afrika“.

Materielles und Immaterielles

Das Hörspiel – oder akustische Kunst allgemein – ist immateriell und zum Hören da. Klar.
Kann man hören und gleichzeitig sehen? Sicher.
Es gibt nicht wenige, die sogar ein materielles Bild brauchen, um zuhören zu können. Möglicherweise auch nur, um zuhören zu wollen. Ein Bild besetzt jedoch das Auge und manche Audio-Puristen lehnen daher visuelle Reize beim Hören komplett ab.
Interessant für uns ist: Wir entdecken da tatsächlich zwischen dem Hören ohne Diorama und dem Hören und dem Betrachten des jeweiligen Dioramas eine Differenz. Und es ist eine Komplettierung, keine Ablenkung oder Zerstreuung. Das finden wir überraschend und bereichernd zugleich.

Hier ist das erste Akustische Diorama: „Heimat“ zu hören:

Textur der Wirklichkeit

Wir arbeiten fast immer mit der „Textur der Wirklichkeit“DSC06819 – was nicht nur super klingt :-), sondern auch genau so gemeint ist. Es geht uns aber gar nicht um realistische Erzählungen, sondern darum, dass diese sich realistisch anfühlen.
Warum?
Weil damit die Frage nach dem „Wie?“ gestellt wird. „Wie?“ wird was erzählt?
Darf z.B. eine ausgedachte Expedition im Museum erzählt werden? Oder dürfen da nur Fakten ausgebreitet werden? Bestimmt der Ort, also das Museum, sowieso die Form der Erzählung – und nicht der Autor?

Klasse, Ordnung, Art – Akustisches Diorama 2:DSC06766DSC06784DSC06777DSC06785

Bernhard Schütz

ALL handcrafted by Serotonin.

Genau. Wir bauen auch die „Akustischen Dioramen“ selber. Und: Nein, das Museum baut die Kästen nicht – wir bauen sie. 🙂DSC06603 Serotonin

Das nur wegen permanenter Nachfragen. Wir sorgen auch für die technische Machbarkeit. Und ich löte selber. Übrigens zum ersten Mal in meinem Leben … Und es ist ziemlich toll.

ABER es geht um eine künstlerische AKUSTISCHE Intervention. Und dafür braucht es natürlich einen Sprecher, der den Text spricht. Bernhard Schütz macht das für uns. Bernhard Schütz ist nicht nur ein Sprecher oder Schauspieler, der spricht – er gibt uns mehr. Mehr, als wir uns selber ausdenken können. Mehr, als wir uns vorstellen können, wie alles zu sprechen ist. Mehr, als wir alleine könnten. Dafür danken wir ihm.